Pressetext für Tiger Willi (2006)

Inzwischen ist der Tiger Willi Kult und seine Konzerte sind große Gesamtkunstwerke und bizarre Gottesdienste der fleischlichen Pracht und Lust. Das wissen seine vielen Fans. Keiner zeigt so viel Herz für die Geschundenen und Ungeliebten, für die Außenseiter und ewigen Verlierer dieser Welt wie der gelernte Metzger aus Steinebach am Wörthsee. Tiger Willi besingt Alpträume, die doch Wirklichkeit sind. Leben heißt leiden, weiß der Schopenhauer-Freund. Denn das „Leben is a Schindermatz“. Und schafft es doch mit seiner überschäumenden poetischen Kraft, der hundsgemeinen Seite des Lebens eine Wut entgegenzusetzen, die seine Lieder zu Asylen der Menschlichkeit macht.

Drei CDs hat der Songpoet, der als Sozialpädagoge arbeitet, bisher veröffentlicht – Philosophien des Alltags, in denen der Tiger über grüne Weißwürste und geile Weiberhintern siniert und immer wieder die Liebe feiert, auch wenn sie geschändet wird oder vergeblich ist. Das Leben ist halt geil und schön.

Seine neue CD „Papageil“ greift wieder alle Tiger-Themen auf. Aber sie ist musikalisch reifer, ungewöhnlicher. Der Tiger hat den Blues und den Hiphop entdeckt. Keine Angst: Denn was herausgekommen ist, kann sich mehr als sehen lassen: Harte Gitarrenriffs wechseln mit Tigers intensiver Stimme; eine Beatbox vibriert, während gerade die Liebes-Sekte der Frau von Eutin ihr Ableben zelebriert.

Eindeutiger musikalischer Höhepunkt sind der skurrile „Bademeister“-Song, das verstörend verzweifelte Lied über den „Baader Michi“und das rhythmisch orgiastische „Marienplatz“. Tiger Willi-Fans der ruhigeren Art werden die Geschichte von der verwelkten Erika, die sich umbringt, weil ihr junger Lover nichts mehr von ihr will, lieben; oder das locker-lustige „Dacing Queen“. Die Welt ist kalt, kennt keine Gnade. Seltsamerweise schafft es Tiger Willi mit seiner Kunst immer wieder aufs neue, dieser Kälte zu trotzen. Darauf ein Prosit der Gemütlichkeit!